Wem gehören die Negative?

Immer wieder stellen sich Kunden von Fotografen, insbesondere bei Hochzeitsfotos und Paß- bzw. Bewerbungsfotos, die Fragen, ob sie die Negative vom Fotografen herausverlangen können.

Diese Frage hatte schon das Reichsgericht, damals für Fotoplatten, zugunsten des Fotografen entschieden. Diese Rechtsprechung gilt noch heute. Gegenstand des Vertrages (sogenannter Werkvertrag) zwischen Kunden und Fotograf ist regelmäßig die Herstellung von Fotos in Form von Papierabzügen. Demnach hat der Kunde also auch nur Anspruch auf die Papierbilder. Etwas anderes gilt nur dann, wenn der Kunde ausdrücklich, am besten schriftlich, mit dem Fotografen auch die Herausgabe (Übereignung) der Negative (oder Dias) vereinbart hat. Gegen entsprechenden Aufpreis werden hierzu einige Fotografen bereit sein (sie können ja nichts mehr an den Abzügen verdienen). Entsprechendes gilt auch für digitale Bilddaten, wenn die Fotos bereits mit einer Digitalkamera hergestellt wurden.

Abgesehen von dieser Rechtslage besteht auch ein anerkennenswertes wirtschaftliches Interesse des Fotografen daran, an Nachbestellungen noch etwas zu verdienen. Da bei der Herstellung von Billig-Abzügen die Aufnahmen des Fotografen entstellt werden können und dies seinen Ruf schädigen kann, sind einige Fotografen auch gegen Aufpreis nicht zur Übereignung der Negative bereit (Schutz des Urheberpersönlichkeitsrechts).

Die Kunden haben jedoch die Möglichkeit, sich Bild-vom-Bild-Abzüge oder Repro-Negative ihrer Aufnahmen herstellen zu lassen. Dies regelt ausdrücklich § 60 UrhG. Voraussetzung für dieses Privileg, die sonst unzulässige Vervielfältigung der durch das Urheberrechtsgesetz geschützten Fotos doch vornehmen zu dürfen, ist jedoch, daß dieses Recht in dem Vertrag mit dem Fotografen nicht ausgeschlossen wurde.

Eine weitere Frage ist, ob der Fotograf die Negative, etwa um Lagerplatz zu schaffen, vernichten darf. Als Eigentümer der Negative darf er dies grundsätzlich tun, er sollte jedoch wegen des berechtigten Interesses seiner Kunden diese vorher fragen und ihnen ggf. die Negative zum Kauf anbieten. Eine Pflicht hierzu kann man m.E. jedoch nur annehmen, wenn eine Aufbewahrungspflicht zwischen Kunde und Fotograf vereinbart wurde.

RA David Seiler, Mainz, den 30.01.2000


Nachtrag:

Siehe auch den Beitrag: Wem gehören die Negative?, Photopresse 03/2004, S. 13 zu § 60 UrhG Bildnisbestellung, Herausgabe der Negative, Einräumung von Nutzungsrechte, Aufbewahrungspflicht für Negative, Vernichtungsrecht


RG, Urteil vom 23.01.1924, I 180/23, RGZ 108, 44: fotografische Platten; keine Herausgabe der Negative; Fotoplatten; Unterschied zwischen Eigentum an den Platten und Urheberrecht an den Aufnahmen; Verpflichtung zur Aufbewahrung nach Treu und Glauben; kein Vernichtungsrecht des Fotografen bei bestellten Fotos

LG Wuppertal, Urteil vom 05.10.1988, 8 S 116/88, GRUR 89, 54 : Lichtbild-Negative, kein Herausgabeanspruch auf Negative bei Hochzeitfotos

LG Hannover, Urteil vom 30.06.1988, 16 S 97/88, NJW-RR 89, 53: Herausgabe der Fotonegative an den Kunden, keine Verpflichtung zur Herausgabe der Negative neben den Fotoabzügen

AG Essen, Urteil vom 31.10.1988, 12 C 562/88, MDR 89, 353: Wer einen Berufsfotografen beauftragt, Bilder von einer Hochzeitsfeier anzufertigen, kann ohne besondere Vereinbarung nicht beanspruchen, daß ihm die Negative übereignet und herausgegeben werden.

http://www.fotorecht.de